Donnerstag, 28. Februar 2008
norisbank mag Harz IV


Harz IV Empfänger, die kein Girokonto besitzen, haben es grundsätzlich nicht leicht eine Bank zu finden, die ihnen eines einrichtet. Geradezu aussichtlos wird es, wenn die SCHUFA-Auskunft diverse Zahlungsausfälle und im schlimmsten Fall auch noch ein gesperrtes Girokonto meldet. Obwohl bei Konten ohne Überziehungsmöglichkeiten und Karten ohne EC-Funktion eigentlich nichts passieren kann, winken selbst die Sparkassen ab.

Überraschenderweise macht hier ausgerechnet die norisbank eine Ausnahme: Dort sind Harz IV Empfänger willkommen, das Konto gibt´s Gebührenfrei und mit Bankkarte (ohne EC), und auch für die Werbung eines Harz IV Neukunden erhalten Kunden den üblichen Bonus von 30 Euro. Kostenlos Bargeld abgehoben werden kann an allen Automaten der Cashgroup, was ein ideales Servicenetz bedeutet.

Aber Achtung: Wer wieder zu Geld kommt und auf ein Girokonto mit EC und Dispo umsteigt, sollte wissen, dass die norisbank überdurchschnittlich hohe Dispo-Zinsen kassiert.

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Dienstag, 27. November 2007
Alles günstig


Berlin. Geiz ist geil, in Ewigkeit, amen. In der deutschen Hauptstadt lebt man eben nicht nur billiger, auch den Abgang gibt´s als discount. Kein Wunder, die Konkurrenz aus Osteuropa ist nach und drückt die Preise...

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Donnerstag, 22. November 2007
So schön kann Aussitzen sein


Berlin. Kohl, sagt mein Opa, war der Aussitzer der Nation. Und Aussitzen, also einfach nichts machen und bloß dasitzen, obwohl die Kacke am dampfen ist, das gehört sich nicht, das weiß doch jedes Kind. Ich natürlich auch.

Aber wer hätte das gedacht: Manchmal ist Aussitzen eben doch die Lösung. Wie im Fall meiner Gasetagenheizung. Letztes Jahr war der Schronsteinfeger zum Messen da, mit dem Ergebnis, dass die Werte schlecht waren und die Therme neu eingestellt werden musste.

Also rief ich bei der Hausverwaltung an und teilte mit, dass die Therme neu eingestellt werden müsse. Therme warten lassen sei Mietersache, teilte man mir im Gegenzug mit, und wenn ich das nicht machen ließe und die Therme kaputt gehe, dann würde ich aber sehen und einen schönen Tag noch.

Eingeschüchtert rief ich bei der Installationsfirma an, deren Nummer man mir immerhin gegeben hatte, und Therme warten kostete 85 Euro. Das fand ich etwas viel, und weil ich sowieso vorhatte bald auszuziehen, beschloss ich, das Problem meinem Nachfolger zu vererben. Wie nett von mir.

Aber dann kam es mal wieder ganz anders und ich blieb doch wohnen, und ein jahr später stand wieder der Schronsteinfeger vor der Tür. Oh je, dachte ich, schon ein Jahr rum? und begann nach einer guten Ausrede zu kramen. Natürlich warten lassen und schon wieder verstellt schien mir die beste Lösung.

Als der Schornsteinfeger fertig war, sagte er: Prima, dieses Mal seien die Werte in Ordnung, ich müsse hier unterschreiben, und bis zum nächsten Jahr. 1A ausgesessen, dachte ich mit dem gelben Zettel in der Hand und freute mich über 85 gesparte Euro. Und dann fiel mir Helmut ein, der König der Aussitzer, und zum ersten Mal fühlte ich mich ihm ein bisschen nah.

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Sonntag, 18. November 2007
I love HILLOCK



Berlin. "Touch me!" sagt Hillock im gleichen Moment, in dem ich die Galerie betrete. Dabei kennen wir uns garnicht, wir sehen uns grade zum ersten Mal. Aber okay, vielleicht kommt es darauf ausnahmsweise nicht an, vielleicht geht es hier und jetzt um etwas ganz anderes. Um Seelenverwandtschaft möglicherweise. Oder um das nicht zu leugnende Vorhandensein von Bedürfnissen und als Antwort darauf das zutiefst empfundene Gefühl, jemandem nahe sein zu können. Einfach so, weil man zur gleichen Zeit im gleichen Raum ist und so ein Schicksal teilt.

Hillock, das sehe ich sofort, kann ich vertrauen. Er (wieso eigentlich er?) hat ein stilles Wesen, beruhigend, mit angenehmer Körperlichkeit, sehr präsent und einnehmend, und doch vollkommen zurückhaltend. Unmöglich, die glatte Oberfläche nicht zu streicheln, die die Neonröhren zum Glänzen bringen. Kunst zum Anfassen? "Touch me!"

Ich schaue Hillock voll Dankbarkeit in die Körperöffnung (das Auge? die Vaginal-Atrappe? den Nabel zur Welt?), mein Blick wandert über seinen kleinen, wohlgeformten Körper. Und dann berühre ich ihn zum ersten Mal - und etwas in mr zerbricht. Seit der Berührung kann ich ihn nicht mehr vergessen, ich denke beim Einschlafen an ihn und ich wache mit dem Gedanken an ihn auf. Ich möchte das kleine Wesen immer um mich haben.

Leider kostet Hillock 1 Millionen Euro. Ich arbeite hart daran, das Lösegeld zusammen zu kriegen. So lange ich das noch nicht geschafft habe, ist Hillock weiterhin in der Galerie Sandra Bürgel zu sehen www.galerie-buergel.de Aber nicht anfassen - er gehört schon so gut wie mir!

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Freitag, 26. Oktober 2007
Michael Stein ist gestorben, und ich…


…stelle mir einmal mehr die Frage, wie man leben soll. Wie ich leben soll. Ich kannte Michael nicht persönlich, nur von zahlreichen Besuchen bei den Surfpoeten. Wenn er bekifft war und stundenlang monologisiert hat, hat er mich fast in den Wahnsinn getrieben. Und dann wieder fand ich ihn irre genial, und seine Polemik gegen die Erwerbsarbeit und für das Schwarzfahren kam mir ebenso platt wie urlogisch vor.

Apropos Rauchen: Man sah Michael an, dass er eher so lebt, was unsere Eltern mit „zügellos“ bezeichnen würden. Das hat mir gefallen, mich aber auch immer wieder nachdenklich gemacht. Während mir die Augen tränten – denn Michael war nun wirklich nicht der Einzige, der bei den Abenden der Surfpoeten geraucht hat – ging fast jedes Mal das Denktheater los, ob es nicht vielleicht doch das Beste ist, voll nach den Maßstäben von Spaß und spontanem Impuls und einfach drauflos zu leben, so das eigene Lebensgefühl aufs Maximum zu puschen und die Zukunft (und mit ihr mögliche Folgen) dem Schicksal zu überlassen. Oder nicht doch lieber die Vernunftsvariante ohne Alkohol und Zigaretten, dafür mit Sport und regelmäßig Schlafen?

Ich weiß es immer noch nicht, und selbst Michaels Tod enthält für mich nicht die Antwort. Wenn ihm sein Leben genau so gefallen hat und alles andere nur eine halbe Sache gewesen wäre, dann war es vielleicht genau richtig. Dann wird man nur Vierzig oder so, hat aber nahe der 100 Prozent gelebt. Oder ist das bloß eine Verherrlichung? Hat nicht möglicherweise auch jemand wie Michael Stein gegen den eigenen Verstand gelebt, Energie verpulvert und letzten Endes genau aus dem Grund den Poker verloren?

Der einzige Gedanke, den ich bisher als Orientierung begreife, ist, dass wenn man schon überhaupt solche Überlegungen anstellt, man besser nicht mehr leben sollte wie Michael Stein. Ich glaube, gegen den eigenen Vernunftsimpuls an zu leben, verleiht dem „Trotzdem“ eine negative Energie, die sich früher oder später auswirkt. „Sündigen“ ja, aber wenn mit voller Überzeugung, nicht mit gespaltenem Herzen. Und da ich immer mit mehr oder weniger schlechtem Gewissen geraucht habe, rauche ich wohl besser gar nicht mehr. Was das für andere Dinge bedeutet, ist noch eine andere Frage.

Am Ende fällt mir noch das ironische Timing auf. Michael hat sich rechtzeitig zum Inkrafttreten der neuen Rauchergesetze davon gemacht. Ein weiterer Hinweis darauf, dass ein Stück echte Lebensqualität der Justiz zum Opfer gefallen ist? Ich bin froh, dass ich demnächst nicht mehr so häufig im Nebel sitzen muss. Höchst schade und traurig, dass der freie Blick auf die Poeten-Bühne nicht mehr Michael Stein gelten kann...

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Donnerstag, 13. September 2007
Künstler: Wegsaniert


Berlin. Der Prenzlauer Berg wird weiter kräftig aufgemöbelt, keine Woche vergeht, in der nicht irgendwo eines der verbliebenen alten Häuser eingerüstet wird, fertig zum Sanieren.

Alles wird hübscher, aber natürlich auch teurer. Mieter mit kleinem Geldbeutel können nach der Sanierung meist nur noch auf andere Stadtteile ausweichen, dazu gehören viele Künstler, die vor allem auf günstige Atelierräume angewiesen sind.

Auch unser Wohnkomplex 219/220 an der Greifswalderstraße ist bald fällig. Seit Mai gehören die Häuser der dänischen Immobilienfirma Taekker, die quer durch Berlin auf Shoppingtour ist.

Für Prenzlauer Berg wirbt Taekker auf ihrer Homepage mit einem "jungen Stadtteil mit vielen Studenten, Kinderfamilien und Künstlern", auf der dänischen Seite brüstet sich der Konzern mit Künstlerförderungen. Taekker, die Immobilienfirma der Kreativen?

Im Sanierungsalltag sieht das eher so aus: Seit der neue Hausherr die Regie an der Greifswalder übernommen hat, wurden sieben Künstlern die Ateliers gekündigt. Die meisten haben schon ihre Räume verlassen, wochenlang quollen die Müllkontainer im Hof von den Atelierauflösungen über. Dem einen oder anderen wird (immer kurzfristig) ein weiterer Monat Duldung ausgesprochen, ein Rauswurf auf Raten also, eine blöde Situation die keinem gefällt.

Antonia, die ihr Atelier unter meiner Wohnung hat, darf noch bleiben, wie lange kann man ihr nicht sagen. Von den anderen Künstlern weiß sie, dass es bisher keinem gelungen ist neue Atelierräume zu vergleichbaren Konditionen aufzutreiben: Auf dem Prenzlauer Berg sowieso nicht, aber auch nicht in anderen Stadtteilen.

Überhaupt ist das wohl eine Kehrseite der glänzenden Medaille "Zwischennutzung", auf die viele Städte so stolz sind: Kreative Köpfe machen mit ihren (alternativen) Projekten Stadtteile interessant, müssen früher oder später aber den nachdrängenden Kapitalinteressen weichen. Je länger der Prozess geht, desto schwieriger wird es für die "Raumpioniere" immer wieder Plätze zu finden, es wird halt immer enger. Ein interessantes Thema für kritische Stadtplaner übrigens, Zumindest eine Diplomarbeit wert.

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