Donnerstag, 22. November 2007
So schön kann Aussitzen sein


Berlin. Kohl, sagt mein Opa, war der Aussitzer der Nation. Und Aussitzen, also einfach nichts machen und bloß dasitzen, obwohl die Kacke am dampfen ist, das gehört sich nicht, das weiß doch jedes Kind. Ich natürlich auch.

Aber wer hätte das gedacht: Manchmal ist Aussitzen eben doch die Lösung. Wie im Fall meiner Gasetagenheizung. Letztes Jahr war der Schronsteinfeger zum Messen da, mit dem Ergebnis, dass die Werte schlecht waren und die Therme neu eingestellt werden musste.

Also rief ich bei der Hausverwaltung an und teilte mit, dass die Therme neu eingestellt werden müsse. Therme warten lassen sei Mietersache, teilte man mir im Gegenzug mit, und wenn ich das nicht machen ließe und die Therme kaputt gehe, dann würde ich aber sehen und einen schönen Tag noch.

Eingeschüchtert rief ich bei der Installationsfirma an, deren Nummer man mir immerhin gegeben hatte, und Therme warten kostete 85 Euro. Das fand ich etwas viel, und weil ich sowieso vorhatte bald auszuziehen, beschloss ich, das Problem meinem Nachfolger zu vererben. Wie nett von mir.

Aber dann kam es mal wieder ganz anders und ich blieb doch wohnen, und ein jahr später stand wieder der Schronsteinfeger vor der Tür. Oh je, dachte ich, schon ein Jahr rum? und begann nach einer guten Ausrede zu kramen. Natürlich warten lassen und schon wieder verstellt schien mir die beste Lösung.

Als der Schornsteinfeger fertig war, sagte er: Prima, dieses Mal seien die Werte in Ordnung, ich müsse hier unterschreiben, und bis zum nächsten Jahr. 1A ausgesessen, dachte ich mit dem gelben Zettel in der Hand und freute mich über 85 gesparte Euro. Und dann fiel mir Helmut ein, der König der Aussitzer, und zum ersten Mal fühlte ich mich ihm ein bisschen nah.

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