Donnerstag, 13. September 2007
Künstler: Wegsaniert
pandusch, 16:17h


Berlin. Der Prenzlauer Berg wird weiter kräftig aufgemöbelt, keine Woche vergeht, in der nicht irgendwo eines der verbliebenen alten Häuser eingerüstet wird, fertig zum Sanieren.
Alles wird hübscher, aber natürlich auch teurer. Mieter mit kleinem Geldbeutel können nach der Sanierung meist nur noch auf andere Stadtteile ausweichen, dazu gehören viele Künstler, die vor allem auf günstige Atelierräume angewiesen sind.
Auch unser Wohnkomplex 219/220 an der Greifswalderstraße ist bald fällig. Seit Mai gehören die Häuser der dänischen Immobilienfirma Taekker, die quer durch Berlin auf Shoppingtour ist.
Für Prenzlauer Berg wirbt Taekker auf ihrer Homepage mit einem "jungen Stadtteil mit vielen Studenten, Kinderfamilien und Künstlern", auf der dänischen Seite brüstet sich der Konzern mit Künstlerförderungen. Taekker, die Immobilienfirma der Kreativen?
Im Sanierungsalltag sieht das eher so aus: Seit der neue Hausherr die Regie an der Greifswalder übernommen hat, wurden sieben Künstlern die Ateliers gekündigt. Die meisten haben schon ihre Räume verlassen, wochenlang quollen die Müllkontainer im Hof von den Atelierauflösungen über. Dem einen oder anderen wird (immer kurzfristig) ein weiterer Monat Duldung ausgesprochen, ein Rauswurf auf Raten also, eine blöde Situation die keinem gefällt.
Antonia, die ihr Atelier unter meiner Wohnung hat, darf noch bleiben, wie lange kann man ihr nicht sagen. Von den anderen Künstlern weiß sie, dass es bisher keinem gelungen ist neue Atelierräume zu vergleichbaren Konditionen aufzutreiben: Auf dem Prenzlauer Berg sowieso nicht, aber auch nicht in anderen Stadtteilen.
Überhaupt ist das wohl eine Kehrseite der glänzenden Medaille "Zwischennutzung", auf die viele Städte so stolz sind: Kreative Köpfe machen mit ihren (alternativen) Projekten Stadtteile interessant, müssen früher oder später aber den nachdrängenden Kapitalinteressen weichen. Je länger der Prozess geht, desto schwieriger wird es für die "Raumpioniere" immer wieder Plätze zu finden, es wird halt immer enger. Ein interessantes Thema für kritische Stadtplaner übrigens, Zumindest eine Diplomarbeit wert.
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