Montag, 3. September 2007
Feuchte Träume in Zelenkovac


Republika Srpsca, Bosnien. Als der Reisebus auf der Strecke Sarajevo-Banja Luka nach rund fünf Stunden Fahrt die Kleinstadt Mrkonjic Grad passiert, bitten wir den Fahrer uns aussteigen zu lassen. Eigentlich ist hier kein regulärer Stopp, doch auf längeren Strecken durch Bosnien ist es in der Regel kein Problem auf Wunsch an einer beliebigen Stelle raus gelassen zu werden, man muss nur rechtzeitig Bescheid sagen.

Meine Reisebegleitung Julia und ich sind auf dem Weg nach "Zelenkovac". Zelenkovac, das soll eine Art Künstlerprojekt sein, ein Ökodorf in den Wäldern der Republika Srpska, ich habe es bis jetzt nicht wirklich verstanden. Julias vage Beschreibung hatte aber so interessant geklungen, dass ich sofort bereit war, den langen Trip zu starten.

Als der Bus weiter den Berg hinauf schleicht, fragen wir zwei Jugendliche nach dem zentralen Busbahnhof. Hier an der Straße stehen zwar Schilder, da wir uns in der Republika Srpska befinden sind die allerdings auf Kyrillisch, was weder Julia noch ich entziffern können. Die beiden zeigen uns den Weg und begleiten uns ein Stück in die genannte Richtung. Von Mrkonic Grad, so haben wir gehört, würde es einen weiteren Bus zu dem kleinen Örtchen Prnjavor geben, von wo aus es angeblich nur noch ein kurzer Fußmarsch nach Zelenkovac sein soll.

Transportprobleme

Der Busbahnhof ist Menschenleer, nur drei Gestalten sitzen um einen Tisch und rauchen. Wir vermuten, dass sie Angestellte aus den kleinen Läden sind, die sich unmittelbar neben dem Bahnhof befinden und hier nur hocken, weil nichts zu tun ist. Wir kratzen unsere wenigen Brocken Bosnisch zusammen und fragen nach dem Bus nach Prnjavor. Von ihrer ausführlichen Antwort verstehen wir zwar nichts, kapieren aber, dass heute kein Bus mehr dorthin fahren wird. Komischerweise entdecken wir auf den Fahrplan sehr wohl einen Bus, der in in einer halben Stunde starten soll. Die Frau aber, die uns gefolgt ist, zeigt mit dem Finger auf den Eintrag und schüttelt vehement den Kopf.

Klar und deutlich verstehen wir das Wort Taxi. Sie bedeutet uns zu warten, geht zum Tisch und kommt mit einem Zettel zurück, auf dem sie uns eine Summe notiert hat, offenbar der maximal zu zahlende Fahrpreis. Eine hilfreiche Geste die wir dankbar aufnehmen, schließlich ist man hier häufig auf die Erfahrungen wohlwollender Einheimischer angewiesen, die einen vor überzogenen Preisforderungen der örtlichen Dienstleister schützen.

Der Sturere gewinnt

Als wir in Sichtweite der Bushaltestelle ein Taxi auftreiben, ist weit und breit kein Fahrer zu entdecken, auch nach längerem Warten taucht niemand auf. Schließlich beginne ich vorüber fahrenden Autos zu zuwinken und bedeute ihnen mit Händen und Füßen uns mitzunehmen. Die Fahrer wittern allerdings nur die Chance auf ein schnelles Geschäft und konfrontieren uns samtsonders mit überhöhten Geldforderungen. Einer bietet, nachdem wir sein Angebot ausgeschlagen haben, immerhin an, für uns die Taxinummer zu wählen. Nach kurzer Zeit tauchen tatsächlich zwei weitere Taxis auf, und auch der Fahrer des verwaisten Taxis scheint die Meldung erhalten zu haben und kehrt zu seinem Fahrzeug zurück.

Trotz deutlicher Konkurrenzsituation sind sich die drei in einem einig: Uns ordentlich Geld abknöpfen zu wollen. Wir aber wissen den realen Preis, schalten auf stur, lächeln und warten mit überkreuzten Armen, drei Taxifahrer tun es uns gleich. Die absurde Situation löst sich erst, als ein vierter Taxifahrer auftaucht, der auf unser Gegenangebot einsteigt und damit die bösen Blicke der drei Kollegen auf sich zieht. Wir aber haben unsere Tour und erreichen in einer knappen Viertelstunde unser Ziel.

Zelenkovac



Schon von der Straße aus sieht man den Namen des Projektes, wie in Hollywood prangt er in weißen Großbuchstaben an einer Felswand. Der Fahrer biegt von der Straße auf einen Waldweg ab und hält nach einigen hundert Metern vor einem bizarren Holzgebäude an, dessen schiefe Türme hoch in die Wipfel der Bäume ragen. Beeindruckt stehen wir neben unseren Taschen und bewegen uns zunächst gar nicht vom Fleck. Dann aber gehen wir auf die Leute zu, die vor dem Gebäude auf Holzbänken sitzen, stellen uns vor und fragen nach „Boro“, der laut Couchsurfingprofil der Besitzer der Anlage ist.



Boro, so erklärt man uns, der komme erst später, wir aber sollten ruhig unsere Taschen abstellen, alles wäre okay. Also stellen wir unser Gepäck beiseite und gesellen uns zu einer Gruppe, die offenbar ebenfalls aus Besuchern besteht. So lernen wir Jörn aus Norwegen kennen, der mit seinen drei Töchtern 48 Stunden mit dem Bus nach Bosnien gefahren ist und schon öfter in Zelenkovac zu Besuch war. Jörn erzählt spannende Stories von seinen Hilfseinsätzen als Ingenieur in den Jahren nach dem Bosnienkrieg, rund 35 Mal war er bereits hier unten. Und während Jörn noch erzählt, taucht irgendwann plötzlich Boro auf…

Borislav „Boro“ Jankovic

Boro ist ein freundlicher Mann Mitte Vierzig, mit einem großen Gesicht, etwas schütterem dunklen Haar und wirrem dunklem Vollbart, seiner Nase sieht man bereits an, dass er gerne trinkt. In passablem Englisch heißt er uns herzlich willkommen, beteuert, dass Couchsurfer in Zelenkovac gut aufgehoben sind, und dass wir später gezeigt bekämen, wo unsere Schlafplätze seien. Dann führt er uns ins Innere der hölzernen Festung.





In einem schummrigen Raum befinden sich eine Bar, ein offener Kamin und etliche Sitzgelegenheiten und Tische. Das auffälligste aber sind die zahlreichen Bilder, die in allen Größen und Farben dicht gedrängt an den Wänden hängen. Die meisten davon seien von ihm, erklärt Boro, die übrigen stammten von Künstlern, die auf der Reise bei ihm Halt gemacht und ein Werk als Dankeschön dagelassen hätten.

One night of sin

Den restlichen Tag verbringen wir mit Kennenlernen und Unterhalten, immer neue Gesichter tauchen in Zelenkovac auf. Teilweise sind es Reisende, teilweise Leute aus den umliegenden Dörfern, und der eine oder andere arbeitet eben hier. Als es dunkel wird fahren einige der Leute nach Hause oder setzen ihre Reise fort, die übrigen finden sich nach und nach in der Galerie-Bar ein. Im Kamin prasselt ein Feuer, es wird bosnische Musik gespielt, Pivo und Sliwowitz getrunken, gequatscht und schließlich auch getanzt. Es wird ein langer, lustiger Abend, doch irgendwann sind Julia und ich so müde, dass uns auch die gute Stimmung nicht mehr auf den Beinen halten kann. Wir wünschen eine gute Nacht und klettern in den ersten Stock in unsere sehr improvisierte und niedrige, aber urgemütliche Schlafkammer.



Leider befinden sich unsere kostenlosen Schlafplätze genau über der Bar, direkt unter unserem Bett hängt offenbar ein Lautsprecher an der Decke. Wir legen uns hin und versuchen trotz des Lärms von unten abzuschalten, doch das will kaum gelingen: Von Musik und lauten Gesprächen trennen uns nur dünne Bretter, dazwischen klaffen so große Ritzen, dass man die Feiernden von oben sehen kann.

Je später es wird, desto lauter werden Gäste und Musik. Ich krame Oropax hervor und drücke sie so tief es geht ins Ohr, viel hilft das nicht. Irgendwann gehen allerdings noch weitere Gäste schlafen, es wird langsam stiller, ich beginne mich zu entspannen. Bevor ich einschlafe, taucht plötzlich eine Katze neben meinem Kopf auf. Ich erschrecke mich zunächst, doch das schwarz-weiße Tier rollt sich friedlich zwischen Julia und mir zusammen und beginnt zu schnurren. Zu dritt finden wir den lang ersehnten Schlaf.

Mitten in der Nacht werde ich wieder wach, irgendetwas ist an meinen Kopf gestoßen. Im Dämmerlicht des Mondes erkenne ich, dass es die Katze war, die sich offenbar genug ausgeruht hat und nun in Jagdlaune geraten ist. Schon wieder fegt sie über unser Bett und stürzt sich die Wand neben meinem Kopfkissen empor, hinter der sie was weiß ich vermutet. Ich will meine Ruhe haben, packe mir den Störenfried und setze sie vor die Tür. Eine Minute später ist sie wieder bei uns im Raum, offenbar gibt es geheime Katzenwege hier herauf, das Rausschmeißen ist also zwecklos. Ich finde mich damit ab dass hier niemals wirklich Ruhe herrschen wird und lasse die Katze machen was sie will.

Bosnisches Hühnchen am River Sana

Am nächsten Tag steige ich ganz schön verknittert die Treppe herunter, doch der Anblick der sich bietet vertreibt gleich die...

++++++++++++++++++sorry, noch ist hier Baustelle, die Fortsetzung folgt in Kürze++++++++++++++++++


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